„Inwieweit sind Hilfsmittel in der Predigt zulässig und notwendig?“  

 

1. In einem Gottesdienst verwendete der Prediger ein Autokabel als Sinnbild

für die Verbindung des Gläubigen mit Christus.

Es hing während der gesamten Predigt an der Kanzel,

und der Prediger zeigte ständig darauf.

Ich habe diese Predigt mein Leben lang nicht vergessen,

weil mir zwei unbeantwortete Fragen geblieben sind. 

Die erste: „Woher hatte er dieses Kabel?“ 

Die zweite: „War es ein Kabel vom elektronischen Gaspedal eines Mercedes

oder von der Wasserpumpe eines BMW?“ 

 

2. Während des Gottesdienstes in der Kirche kletterte der Prediger

auf eine hohe tragbare Leiter, um zu zeigen,

wie Prediger früher auf der Straße vor einer großen Menschenmenge auftraten.

Er war bereits im Rentenalter, und ich dachte:

„Er hätte doch fallen können!

Und brauchen moderne, gebildete Christen solche bildlichen Darstellungen überhaupt? 

 

3. Der Prediger zeigte während des Gottesdienstes als visuelles Hilfsmittel

eine elektrische Batterie.

Zusätzlich wurde auf dem Bildschirm der Ladevorgang dargestellt.

Diese Beispiele sollten den Zuhörern helfen,

das Thema der ständigen Erfüllung mit Gottes Kraft besser zu verstehen. 

Man hätte diese Bilder zu Beginn der Predigt zeigen

und dann nicht mehr darauf zurückkommen können,

um die gesamte Aufmerksamkeit auf den wertvollen inneren Kern der Predigt zu richten.

Als der Prediger jedoch bereits den Bibeltext vorlas

und das Bild der Batterie noch immer auf dem Bildschirm zu sehen war,

richtete sich die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf diesen Gegenstand

oder wurde zwischen ihm und dem Wort Gottes aufgeteilt.

Wie konnten solche Bilder den Gedankengang der Zuhörer beeinflussen?

Einige, die die Batterie betrachteten, dachten vielleicht darüber nach,

dass sie heute den Akku ihres Elektroautos vollständig aufladen müssen.

Und wenn sich unter den Zuhörern jemand befand,

der den Lehren der Zeugen Jehovas nahestand, könnte er denken,

dass diese Lehre Recht hat, dass der Heilige Geist keine Person ist,

sondern eine Kraft, ähnlich wie magnetische oder elektrische Kraft.

 

4. In einer Kirche wurde als Anschauungsmaterial

ein echter grüner Weihnachtsbaum aufgestellt.

Das Thema der Predigt lautete:

„Ein Baum, der keine guten Früchte trägt, wird gefällt und ins Feuer geworfen.“

Am Ende der Predigt startete der Prediger eine echte Kettensäge

und fällte den echten grünen Weihnachtsbaum.

Dies hinterließ bei den Zuhörern einen starken emotionalen Eindruck.

Man kann jedoch davon ausgehen, dass die geistliche Wirkung gleich Null

oder sogar negativ war.

Jeder Prediger sollte sich also die Frage stellen:

„Inwieweit sind Hilfsmittel in der Predigt zulässig und notwendig?“

 

Waldemar Boger

 

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