Kurze Lebensgeschichten

 

 

  

1. Leckere Butterbrote 
Mein Arbeitskollege holte seine Butterbrote und einen Zettel aus seiner Dose. 
Lächelnd las er den Zettel laut vor, der in einer Kinderschrift geschrieben war:
 „Lieber Papa, wir haben dir die Butterbrote gemacht. 
Wir haben dich lieb und wünschen dir einen guten Appetit 
und einen schönen Arbeitstag. Deine Kinder Anna, Christina und Lilly". 
Als ich nach Hause kam, erzählte ich das meiner Tochter und sie sagte: 
"Papa, darf ich auch Butterbrote für dich machen?" 
Natürlich erlaubte ich ihr das gerne. 
Sie machte das zum ersten Mal und fragte deshalb die Mama, 
was Papa gerne mag. 
Am nächsten Tag aß ich die von meiner Tochter zubereiteten Butterbrote, 
die mir besonders lecker schmeckten, denn dabei lag ein Zettel: 
"Papa, ich wünsche dir einen guten Appetit und einen schönen Arbeitstag. 
Deine Sabina". 
Später habe ich die Butterbrote selbst gemacht, aber dieser Zettel blieb 
noch lange eine schöne Erinnerung während des Frühstücks auf der Arbeit. 
„Euch aber mache der Herr völlig und überströmend 
in der Liebe zueinander und zu allen“ [1Thes 3,12]. 

 

Autor: Waldemar Boger 

E-Mail: ([email protected]

Webseite: (https://www.bibelwort-ru.net/vortrag-in-deutscher-sprache/

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2. Das Mädchen mit dem Kreuz 

Dieses Mädchen fiel unter ihren Kollegen dadurch auf, 
dass es nicht rauchte und einen langen Zopf trug. 
Wäre es aus einer Familie von Russlanddeutschen gewesen, 
hätte das nicht verwundert, 
aber es stammte aus einer Familie von einheimischen Deutschen, 
unter denen ein solches Aussehen und Verhalten selten sind. 
In allgemeinen Gesprächen erzählte das Mädchen keine Dummheiten, 
sagte nichts Vulgäres und verurteilte andere nicht. 
Es war wortkarg, aber nicht verschlossen. 
Wenn man es nach etwas Persönlichem fragte, 
konnte es vertrauensvoll viel mehr über seine Probleme und Schwächen erzählen, 
als es jemand anderes getan hätte. 
Es trug eine Halskette mit einem Kreuz, und eines Tages fragte ich: 
„Was bedeutet denn dein Kreuz am Hals – ein Schmuckstück oder ein Glaubenszeichen?“ 
Es antwortete: „Beides.“ 
„Und zu welcher Konfession gehörst du?“ 
„Ich bin Katholikin.“ 
„Und wann bist du Katholikin geworden?“ 
Es blinzelte verwirrt, wusste nicht, 
was es auf diese Frage antworten sollte, und sagte dann etwas unsicher: 
„Ich bin in einer katholischen Familie geboren und wurde christlich erzogen.“ 
„Aber du verstehst doch, 
dass man nur jemanden einen wahren Gläubigen nennen kann, 
der eine persönliche Gottesbeziehung im Herzen hat.“ 
„Ich habe eine persönliche Gottesbeziehung.“ 
„Und wann ist diese persönliche Gottesbeziehung bei dir entstanden?“ 
„Ich habe doch schon gesagt, 
dass ich christlich erzogen wurde und dann in die Kirche aufgenommen wurde.“ 
„Ein Mensch kann in einer gläubigen Familie geboren werden, 
eine christliche Erziehung bekommen, 
Kirchenmitglied werden – aber wenn er nicht bewusst entschieden hat, 
Gott und seinem Sohn Jesus Christus von ganzem Herzen zu vertrauen, 
kann er kein wahrer Christ genannt werden. 
In meinem Schrank habe ich ein Buch, 
in dem von Katholiken berichtet wird, 
die eine bewusste Entscheidung getroffen haben, 
Gott zu vertrauen und ihm zu dienen. 
Wenn du möchtest, gebe ich dir das Buch.“ 
„Nein, danke. Ich lese nicht gerne.“ 
„Schade, dass du dieses schmale und interessante Buch nicht lesen möchtest.“ 

Nach diesem Gespräch ging ich an meinen Arbeitsplatz. 
Aber keine fünf Minuten vergingen, 
da kam das aufgeregte Mädchen zu mir und bat mich, ihm das Buch zu geben. 
Für mich war das ein erstaunlicher Vorfall – zum ersten Mal in meinem Leben 
lehnte jemand ein Buch ab und bat dann darum. 
Ich brachte dem Mädchen das Buch, in Papier eingewickelt, 
damit es nicht durch neugierige Blicke der Kollegen verlegen würde. 

Eine Woche später fragte ich das Mädchen, 
ob es mein Buch lese, und es antwortete, 
es habe die erste Seite gelesen und finde das Buch sehr interessant. 
Ich sagte, jetzt müsse es nur noch die letzte Seite lesen, 
dann kenne es den Inhalt des ganzen Buches.
Die Tage vergingen, und ich betete für diese Seele, 
dass es den Wunsch bekäme, das Buch zu lesen 
und den wahren Weg der Erlösung kennenzulernen. 

Dieses Mädchen arbeitete über eine Zeitarbeitsfirma bei uns, 
die nur Aushilfskräfte vermittelt, und als die Aufträge weniger wurden, 
versetzte man es an einen anderen Ort. 
Das Mädchen verschwand, und mit ihm mein Buch. 
Es tat mir nicht leid, dass das Buch verloren war, 
ich wollte nur wissen: Hat das Mädchen das Buch gelesen? 

Etwa ein halbes Jahr später erhielt ich mit der Post ein Päckchen, 
in dem mein Buch und ein kurzer Brief lagen. 
Das Mädchen schrieb, 
es habe das Buch gelesen und finde das Buch sehr interessant. 
Außerdem bat es um Entschuldigung dafür, 
dass es das Buch so lange nicht zurückgegeben habe. 
Ich freute mich sehr, dass eine weitere Seele erfahren hatte, 
wie man Buße tun und das Geschenk des ewigen Lebens empfangen. 
Waldemar Boger
E-Mail: ([email protected]

 

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3. Gleichnis: „Das Schäfchen und der Wolf“ 
Es war einmal ein weißes Schäfchen namens Unschuldige. 
Dieses Schäfchen hatte eine erstaunlich weiße Wolle: 
ohne ein einziges dunkles Härchen, so weiß, 
wie sie auf der ganzen Erde niemand sonst besaß,

gleich dem Schein der Sonne. 
Und das Herz des Schäfchens war rein,

seine Gedanken waren gut und seine Stimme klangvoll. 
Es gab auf der ganzen Erde kein friedlicheres,

kein gütigeres und kein unschuldigeres Schäfchen. 
Und dieses Schäfchen hätte glücklich gelebt, 
wenn es nicht bisweilen der Gedanke an seinen Nachbarn erschreckt hätte. 
Der Nachbar des Schäfchens aber war ein grauer Wolf namens Bösewicht. 
Das Herz des Wolfes war unrein, seine Gedanken waren böse und seine Stimme rau. 
Die Wolfsnatur trieb den Bösewicht an, sich von Fleisch zu ernähren, nicht von Gras. 
Doch er hatte nicht vor, die Unschuldige anzugreifen, 
denn er besaß ein eigenes, riesiges Jagdrevier, 
in dem es so viel Wild gab, dass es ihm für 500 Jahre gereicht hätte. 

Das Schäfchen bemühte sich, still und friedlich mit allen Nachbarn zu leben,

auch mit dem Wolf. 
So lebte Unschuldige viele Jahre, bis die anderen weißen Schäfchen zu ihr sagten: 
„Dein Nachbar ist der böseste und blutrünstigste Wolf von allen Wölfen auf Erden, 
und obwohl ihm Wild für fünfhundert Jahre genügt, 
bereitet er sich darauf vor, dich anzugreifen. 
Das wissen wir ganz genau. 
Wir laden dich ein, unserem Wehrbündnis beizutreten,

das wir zu unserem Schutz gegen den Wolf gegründet haben. 
Wir sind friedliche Schäfchen, 
und darum nennt sich unser Wehrbündnis

„Für Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit in der ganzen Welt“. 
Unschuldige beschloss, dem Wehrbündnis der friedlichen Schäfchen beizutreten, 
in der Hoffnung, dass es ihr dann besser ergehen würde,

doch stattdessen begannen für sie große Schwierigkeiten. 
Als der Bösewicht von Unschuldiges Absicht erfuhr,

wurde er noch böser, als er ohnehin schon war. 
Er begann, an der Grenze entlangzugehen und laut in Unschuldiges Richtung zu brüllen. 
Der Bösewicht griff nicht an, doch sein nahes Brüllen erfüllte das reine Herz Unschuldiges

mit immer größerer Angst, und bisweilen dachte sie sogar,

dass ihr Vorhaben unvernünftig gewesen sei. 

Mit Trauer in den Augen erzählte die Unschuldige der internationalen Schafsöffentlichkeit

herzzerreißende Geschichten darüber, wie sie vom Wolf verfolgt wurde,

und alle Schäfchen hatten Mitleid mit ihr und sagten: 
„Fürchte dich nicht.

Wir sind viele, und gemeinsam sind wir eine unbesiegbare Macht. 
Auf unserer Seite stehen die Gerechtigkeit und die gesamte demokratische Welt.“ 
Die Unschuldige war nicht sehr klug und glaubte daher naiv daran, 
dass das Militärbündnis der friedlichen Schäfchen sie

wie eine Mauer vor allem Ungemach schützen würde. 
Doch der Bösewicht erkannte in dem Militärbündnis

eine unmittelbare Bedrohung für seine eigene Existenz. 
Er dachte: „Wenn sie sich zusammenschließen, dann fühlen sie sich stark. 
Und ein Starker könnte jeden Moment als Erster angreifen.“ 
Und noch bevor die Unschuldige dem Militärbündnis beitreten konnte, 
begann der Bösewicht, regelrecht Jagd auf sie zu machen. 

Die Unschuldige sprach durch Boten zu dem Bösewicht: 
«Warum verfolgst du mich?

Ich habe kein einziges schlechtes Wort gegen dich gesagt. 
Ich hegte keine einzige böse Absicht gegen dich. 
Lass uns einen Friedensvertrag schließen». 
Der Bösewicht willigte nicht ein, in Frieden zu leben, 
und stürzte sich mit all seiner Bosheit und Kraft auf die Unschuldige. 
Aber da geschah ein Wunder: Das Schaf wich geschickt aus

und biss dem Wolf mit einem unerwarteten Kunstgriff das Ohr ab. 
Der Wolf erstarrte. 
Niemals in seinem Leben hatte er gesehen oder gehört, 
dass irgendwo auf der Welt ein Schaf so gewaltig gegen einen Wolf kämpfen könnte. 
Es war eine Schmach für die Würde des Wolfes, 
und der wütende Wolf ging zum zweiten Mal zum Angriff über. 
Doch auch diesmal zitterte das Schaf nicht, wich nicht zurück, 
sondern biss dem Wolf mit einem unerwarteten Kunstgriff den Schwanz ab. 
Da geriet der Wolf vollends außer sich und sprang auf das Schaf. 
Doch das Schaf wich abermals aus und biss den Wolf ins Bein. 
Und da dachte der hinkende Wolf, mit abgebissenem Ohr und Schwanz: 
«Vielleicht ist das gar kein Schaf, sondern ein Wolf im Schafspelz, 
den andere, listigere und hinterhältigere Wölfe benutzt haben, 
um mich zu einem Angriff zu provozieren?» 

 

Fazit: Furchtbar ist jene Ideologie, die mit Gewalt aufgezwungen wird, 
doch noch furchtbarer ist jene Ideologie, die sich hinter edlen Idealen versteckt 
und einflüstert, als nur sie die wahre Wahrheit, Freiheit, Demokratie und das Glück sei“.  

„Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, 
innen aber sind sie reißende Wölfe“ [Mt 7,15] 

Waldemar Boger
E-Mail: ([email protected]